Herbstanfang in Meissen: Mit der Kamera auf der Suche nach dem Nebellicht

Mittelerde

Nein, ich war heute nicht auf der Suche nach einem Ring wie in den legendären Erzählungen und Verfilmungen aus Herr der Ringe. Ich war jedoch auf der Suche nach den Bildern, die oft in diesem Meisterwerk Gänsehaut verschaffen. Nebel und Licht sind dafür nötig. Man muss es nur finden, dass Nebellicht!

Der kalendarische Herbstanfang konnte es sich heute Morgen nicht verkneifen, sich nicht nur kalendarisch, sondern auch wettertechnisch von seiner besten Seite zu zeigen. Dicker Nebel überzog Stadt und Land und teilweise war die Hand vor Augen nicht zu sehen. Dazu Temperaturen um die 10 Grad. Nasskalte Lüfte ließen manch Fußgänger noch die Kapuze über den Kopf ziehen. Es ist eindeutig der Herbst, der heute morgen gewaltig an unsere Türen klopfte. Für mich heißt das: Fotos machen. Und das tat ich dann auch!

Das erste Bild was ich an diesem Morgen schoss, was es auch in sich hatte, war von der Eisenbahnbrücke Richtung Albrechtsburg. Aber keine Chance. Sie ist nicht zu sehen. Zu dick ist der Nebel, der sich nicht allzu oft in die Meißener Innenstadt traut. Oft liegt er etwas außerhalb in den Elbtälern. Vorzugsweise bei Siebeneichen bis Sörnewitz oder in die andere Richtung bei Winkwitz und Zadel. Manchmal, wenn man Glück hat, kann man beobachten, wie der Nebel erst Richtung Stadt auf der Elbe entlang zieht und dann vor einer der Brücken halt macht und auch dort verweilt.

Trotzdem möchte ich euch dieses Bild extra vorstellen. Es zeigt so eindrucksvoll, welch mystische Atmosphäre Nebel entwickeln kann. Die Boje auf dem Wasser, die als Farbklecks in einer grauen, öden Waschküche hervorsticht. Wie die Linden an der Uferstraße und die Altstadtbrücke nur andeutungsweise verschwommen erkennbar werden und wie der Nebel leise aber geschwind auf der Elbe entlang flussabwärts zieht. Im tiefen Mittelalter galt Nebel als Pestbringer und war daher kein gutes Zeichen. Nachts versuchte man den Nebel deshalb mit Glockenläuten (Nebelläuten) fern zu halten. Hexen und böse Geister, die Nachts im Wald Gebein und Leib von Menschen kochten, waren ebenfalls verantwortlich für Nebel. Der Nebel des Grauens bekommt hier gleich eine andere Bedeutung.

Bis hier war noch nicht ganz klar, wohin die Reise geht und wo ich nach dem Nebellicht suchen sollte. Entweder über den Poetenweg nach Siebeneichen oder unten an der Elbe entlang in dieselbe Richtung. Scharfenberg wurde dann grob angepeilt, ohne Umwege über irgendwelche Poetenwege.

Und das war gar keine schlechte Idee. Vorbei an der schönsten Sommerwiese, die im Nebel noch viel schöner wirkt und nun auch die schönste Herbstwiese ist, ging es weiter auf dem Radweg Richtung Rehbockschänke. Zu diesem Zeitpunkt ist der Nebel teilweise schon nicht mehr so dicht. Erkennbar ist auch, dass sich am Horizont versucht, die Sonne durchzuringen. Das ist erkennbar durch braune helle Stellen im Nebel. Dies ergibt oft schöne, mystische Momente.

Und dann, kurz vor der Rehbochschänke, ist es auch soweit. Die Sonne bricht teilweise durch immer noch dicke Nebelschwaden. Ich entschließe mich, hier am Elbufer etwas zu verweilen und die Lage zu beobachten. Viellicht taucht es hier auf, jenes gesuchte Nebellicht?

Die Luft hat sich schon etwas aufgewärmt und es ist nicht mehr so kalt wie am Morgen. Ein lauer Wind treibt immer noch kleine Nebelschwaden vor sich her, die wie Geister über das Wasser huschen und auch an Land gehen, wenn sie am Ufer aufschlagen. Dort schwinden sie kurz als Nebelrauch in die Luft und setzen sich wieder nieder auf die Elbe, um ihre Reise fortzusetzen. Sie schlagen auch in meinem Gesicht auf. Es sind kühle Luftstöße, die das Gesicht erfährt.

Währenddessen bricht nun endgültig die Sonne an einigen Stellen im Himmel durch und das Nebellicht zeigt sich endlich!

Das Nebellicht ist gefunden! Ist es einst entbrannt, so erlischt es meist sehr schnell. Der Nebel löst sich auf und die Sonne erwärmt rasch das Land. Nachdem das Licht durch den Nebel brach, macht e ich mich schnell ein paar hundert Meter weiter, um einen Blick auf die Bosel zu werfen. Kurz vor diesem Ziel, zeigte sich das Nebellicht noch mal von seiner schönsten Seite. Die Bosel hingegen war schon fast frei vom mystischem Dunst. Dennoch war auch ihr Anblick wie aus einer anderen Welt…..

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  1. Numismaticus vom Triebischtaler sagt:

    Hallo,
    einfach grandios und auch ein wenig gruselig.
    Das Nebelfoto von der Elbe regt meine Fantasie besonders an. Ist das dort wirklich eine Boje, oder ist es das Boot vom Fährmann Charon? Schreitet dort am Elbufer nicht Wotan? Ja, er ist es wirklich. Er ist auf dem Weg zur Burg Walhall.

    Diese mystische Stimmung hast Du perfekt eingefangen. Das macht die Fotos lebendig.

    Gruß vom Numismaticus

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