Was ist Fotografie?

Die Frage nach: „Was ist Fotografie?“ – sollte sich wohl jeder stellen, der häufiger eine Kamera benutzt. Fotografen tun das in der Regel und objektiv betrachtet, legt sich jeder diese Antwort selbst fest. Die wohl einfachste Antwort, mit der man auch nicht schlecht da stehen wird, ist: Fotografie ist Kunst!

Und weil diese Antwort stimmt, sie aber nur ein kleiner Teil meiner Vorstellung von Fotografie darstellt, vergleiche ich die Fotografie mit der größten Kunst überhaupt und zwar mit der Malerei. Viele Maler sind von der Fotografie nicht begeistert. Wo der eine Künstler mühselig mit dem Pinsel über Stunden oder gar Tage ein Kunstwerk kreiert, so drückt der eine Künstler nur den Auslöser und sein Kunstwerk ist fertig. Demnach kommt wohl auch der Spruch zustande: Fotografen sind gescheiterte Maler, die mit dem Pinsel nicht umgehen können.

               Maler vs. Fotograf

Aber dem ist bei weitem nicht so. Fotografen sind meiner Meinung gleichzustellen mit einem Maler, wenn sie es nicht gar weit aus schwerer haben. Der Grund für die Annahme, dass Fotografen weniger künstlerisch tätig sind, liegt an einem Phänomen, was ich selbst erlebt habe. Maler, zumindest die ältere Generation, sind sehr konservativ eingestellt. Zwei durfte ich kennenlernen und beide lehnten zum Beispiel das Internet, sogar allgemein Computer, total ab. Somit sehen viele „alte“ Maler gar nicht, was mit einem Foto passiert, nachdem der Auslöser gedrückt wurde. Das hiermit sein Weg noch sehr weit ist, bis es fertig ist, wird dann natürlich übersehen.

Aber warum haben es Fotografen eigentlich viel schwerer als Maler? Weil der Maler im Grunde Recht hat, wenn er sagt, dass Fotografen nicht malen können. Der Maler malt sein Bild und zeigt auf dem das, was er sieht oder was er gern sehen möchte. Und hier liegt die Schwierigkeit beim fotografieren. Der Fotograf kann nur das ablichten, was auch wirklich da ist. Er kann nicht sagen: „Bitte, liebe Kamera, füge mir doch ein paar schöne Wolken, schönes Licht, einen schönen Baum oder fliegende Vögel ins Bild“. Ein Maler kann dies alles durch sein Können hinzufügen und seiner Fantasie freien Lauf lassen. Ein Fotograf muss den passenden Zeitpunkt abwarten, eine geeignete Perspektive suchen oder Bildbearbeitungsprogramme benutzen und kommt somit sicherlich auf dieselbe Zeit, wie ein Maler für sein Gemälde braucht. Aber dennoch gilt: Ein guter Fotograf lernt von den „alten“ malenden Meistern.

                            Ein guter Fotograf lernt von den alten Meistern

Was kann ein Fotograf von den alten Meistern lernen? Was mich fasziniert, ist, dass alte Meister wie Caspar David Friedrich intuitiv Dinge beachteten und betrachteten, die heutzutage vielen Fotografen entweder gar nicht auffallen oder erst gelehrt werden müssen. Viele Fotografen sehen nur starr das Motiv. Das drumherum wird oftmals viel zu sehr vernachlässigt, was sich am Ende auf das gesamte Foto, sei das Motiv noch so schön, auswirkt.
Der Maler muss im Gegensatz zum Fotografen, hier macht es die Kamera, alles selbst malen und gestalten und hat somit den Blick für das Ganze. Da er sich auf jedes kleinste Detail im Bild konzentriert und selbst darstellt, so wirken seine Gemälde oft emotionaler und tiefgründiger als Fotos. Viele Fotografen hingegen gehen meiner Meinung zu emotionslos an Motive heran. Dem Drumherum wird wenig bis gar keine Beachtung geschenkt. Das Licht wird dabei am meisten vernachlässigt. Heutige Motive, die auf Postkarten gezeigt werden, werden oft in der Mittagssonne bei strahlend blauen Himmel gezeigt. Einem alten Meister würden die Nackenhaare hoch stehen, wenn so einem Bild solch eine Priorität zugesprochen werden würde. Aber dennoch sehen wir diese Fotos in jeder Stadt in den Souvenirläden stehen.

Ein Maler würde hingegen niemals einen Himmel ohne Wolken malen. Ein Maler malt auch selten ein Bild ohne Blumen oder Bäume. Alles was irgendwie emotional ansprechend ist, ob positiv oder negativ, malten und malen die Meister in ihre Bilder.

Was ist das Große Ganze in der Fotografie?

Wetter und Licht

Der Fotograf hat zum Maler wie erwähnt einen großen Nachteil. Das darzustellende, also das was er sieht, hält er nicht mit eigenen Händen, sondern mit der Kamera fest. Somit ist der Fotograf nicht nur abhängig von einem schönen Motiv und einer guten Perspektive, sondern auch noch von Wettereinflüssen und Lichtverhältnissen, wohingegen der gute Maler es einfach dazu malt und somit seinem gedanklich geformten Bild Ausdruck verleiht. Die Technik, sozusagen die Kamera, spielt ebenfalls eine wesentliche Rolle, auch wenn immer wieder behauptet wird, der Fotograf macht die Bilder. Die Abbildung des Motivs in seinem ganzen Umfang, macht nun mal die Kamera, da führt kein Weg dran vorbei.

Das Licht und das Wetter spielt also eine wesentliche Rolle und ein eher unspektakuläres Motiv wird bei bestimmten Licht und Wetterverhältnissen zu einem interessanten, weil das Wetter- und Lichteinflüsse emotionale Faktoren darstellen und im Wechsel agieren. Wir empfinden und verbinden zu jeder Wetterlage/Uhrzeit etwas. Das kann von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein, aber der Grundkonsens ist gleich und einfach. Sonnenschein bedeutet schönes Wetter und unsere Glückshormone sind in der Überzahl. Sonnenschein bedeutet also Fröhlichkeit und Lebenslust, wohingegen Regen und graues Wetter Trostlosigkeit und Einsamkeit bedeuten.

Ein Sonnenaufgang und Sonnenuntergang verbinden wir mit etwas etwas tief emotionalem und wird verbunden mit Liebe, Zweisamkeit und Geborgenheit – oder der Sehnsucht nach eben diesen Dingen, wobei wir bei der nächsten wichtigen Eigenschaft der Fotografie, der Melancholie angelangt sind.

Melancholie

Die Melancholie spielt in der Fotografie eine ebenso große Rolle, wie bei den Alten und neuen Meistern der Malerei. Sie gilt für mich als Stilmittel und ist positiver Ausdruck gesellschaftlich negativem Gedankengut. Einsamkeit, Tod, Leid und Sehnsucht sind keine konstruierten Eigenschaften irgendwelcher Staatsorgane oder Religionen, sondern natürliche Eigenschaften unseres Daseins. Sie werden in unserer Gesellschaft des öfteren als negativ dargestellt und machen sie daher ebenso interessant.

melancholie

Doch die negative Darstellung macht sie leider auch altbacken und nicht zeitgemäß, weshalb sich die neu-zeitige Fotografie eher im Studio abspielt und sich am Zeit- und Geldfaktor misst. Das Resultat daraus ist das 08/15-Foto aus dem Studio, was jeglichen Grundkonsens der Fotografie widerspricht. Künstliches Licht, künstliche Umgebung und wenig Spielraum mit eben dieser, zeigt meistens auch ein künstliches, gestelltes Foto.

Vergessene, verlorene und noch nicht dagewesene Zeiten

Wie malt ein Maler seine Bilder? Er lässt alles neumodische weg und versucht, den Urzustand darzustellen. Dieser Teilaspekt der Fotografie grenzt ganz stark an die Melancholie. Viele von uns sehnen sich nach Zeiten, die angeblich besser und schöner waren. Schöner mögen diese vom Augenschein gewesen sein, besser nicht immer. Unsere Kindheit spielt in der Fotografie eine wesentliche Rolle und grenzt an den Urzustand. Ich als Fotograf versuche, Kindheitserinnerungen  zu wecken, in dem man Dinge fotografiert, die für mich selbst einen Bezug zur eigenen Kindheit haben. Die Unbeschwertheit der Kindheit lässt uns nach diesen Tagen sehnen.

Hier kommt wieder zum Vorschein, dass auch hier die Sehnsucht eine große Rolle spielt. Bilder und Gemälde wollen uns eine Welt zeigen, die wir entweder verpasst, fast vergessen oder noch nicht gesehen haben. Ein passendes Beispiel und eine simple Assoziation von Malerei und Fotografie gibt es dabei zum Film. Filme zeigen uns Sehnsüchte von damaliger und utopischer Zeit in Kombination mit damaligen und utopischen Ereignissen in Form von Melancholie und anderen Gefühlsregungen. Kein Bild im Film ist „normal“. Das Bild was uns gezeigt wird, ist oft eine Abnormalität zur Realität. Wir finden es deshalb interessant, da wir es nicht alltäglich erleben uns sehen, nicht mehr erleben können oder dürfen. Und wir sehen es auch nur noch im Film oder auf dem Foto, weil wir es real oft nicht wahr nehmen oder weil es eben gar nicht da ist.

Das Model, der Schauspieler, untermauert das Drama oder die Angst im Horrorfilm und spielt dabei eine wesentliche Rolle, genau wie in der Fotografie. Neben der darstellenden Angst ist die Atmosphäre wichtig, die oft in der Fotografie zu kurz kommt. Gerade die Filmsettings in Gruselfilmen kann man sich als Fotograf zu Gemüte führen und sich draußen in der Natur oder in dem vergessenen alten Krankenhaus zu nutze machen. Der Morgennebel auf dem Friedhof, wobei langsam die Sonne sich durch den Nebel kämpft und eine geheimnissvolle, schaurig schöne Stimmung erzeugt. Solche Szenarien sind nicht unbedingt oft, aber auch nicht selten, jedoch muss man des öfteren sehr früh raus und das Wetter prüfen.

Urban Exploring – Lost-Places-Fotografie

Lost Place

Lost Place: Ein Zimmer mit altem Kachelofen, in dem alte Tapete von den Wänden herunter hängt. Auf dem Fußboden liegen alte Fotos.

Von der Sehnsucht nach vergangener Zeiten gibt es kein besseres Beispiel als die Lost Places Fotografie. Alte, verlassene Gebäude wie Krankenhäuser, Kasernen, Heilanstalten, Villen und alte Industrieanlagen, sind begehrte Objekte bei Fotografen. Der Hype um diese Art der Fotografie ist schnell gefunden. Am beliebtesten sind hier jene Gebäude, vor allem Villen, wo die Zeit stehen geblieben ist. Wo viel Inventar noch erhalten und am besten die Einrichtungsgegenstände auf bestimmte Merkmale der Besitzer hinweisen. So zum Beispiel die Villa der Dr. Anne L. aus Hessen, wo das volle Inventar neben Wartezimmer, Behandlungsraum mit Gynäkologenstuhl und Labor vorhanden ist.  Auch ein altes Klavier und Bett mit unzähligen Utensilien und Accessories aus längst vergangener Zeit zieren die Zimmer dieses Gebäudes. Solche Ort sprühen natürlich eine Fazination aus und ziehen Scharren von Interessierten an. Hier erlebt man den Horrorfilm, die Gemütlichkeit alter Möbel und die Geschichte um das Haus am eigenen Leib und ist voll im Geschehen. Mich fasziniert dies ebenfalls. Es zwingt einem richtig die Frage auf, wenn man solch einen Ort besucht, was ist hier geschehen? Wer hat hier gelebt, gearbeitet und was ist aus ihm geworden?

                    Das Malen in der Fotografie – Die Bildbearbeitung

Kommen wir zum Schluss zu der Kunst, die dem Maler so oft verborgen bleibt, der Bildbearbeitung.

Die Bildbearbeitung ist in der Fotografie ebenfalls ein heikles Pflaster. Immer wieder erlebe ich, dass meine Bilder wegen der Bearbeitung als „unschön“ betrachtet werden. Aber die Bildbearbeitung in der Fotografie ist wie das malen in der Malerei. Das was mir als Fotograf vorschwebt, welche Emotion ich bei und mit einem Foto empfinde, drücke ich mit der Bildbearbeitung aus, beziehungsweise verstärke es damit. Die Fotobearbeitung kann man natürlich der Kamera überlassen, in dem man im jpeg-Format fotografiert. Eine Kamera kann aber nicht fühlen und empfinden, weshalb das RAW-Format und die Bildbearbeitung in der Fotografie unabdingbar sind. Man könnte auch sagen, der Farbkasten in der Fotografie heißt Photoshop.

Die Frage nach dem: Wie bearbeite ich ein Foto – liegt wieder im Auge des Fotografen und was er sieht und zum Ausdruck bringen will. Ob er damit richtig liegt und den „Nerv“ seines Publikums trifft, ist abhängig von seinem Erfolg, wenn er denn Erfolg haben möchte und die Fotografie nicht nur als Hobby betreibt.

Schlusswort

In einem Satz gesagt, so ist Fotografie die Übertragung von Gefühlen und Gedanken auf das Motiv in Kombination mit den hier genannten Eigenschaften. Ist das alles in allem ungefähr stimmig, so kommt ein für mich geeignetes, gutes Foto dabei heraus. Dazu ist es nicht notwendig in ferne Länder zu reisen und die abgelegensten Orte zu besuchen, auch wenn jene Orte und Points die Seiten der Top-Fotografen zieren. Meist ist die Landschaft hier bei uns in Deutschland so vielseitig, gerade im Wechsel der  Jahreszeiten, dass manch Foto um die Ecke entstand und man denken könnte, ich wäre tausende Kilometer geflogen, um es zu machen. Und natürlich ist Fotografie Kunst und manch anderer wird mit der Frage: „Was ist Fotografie“ – etwas ganz anderes verbinden.

roter-granit

3 comments

  1. link says:

    „Die Fotografie ist ein Handwerk. Viele wollen daraus eine Kunst machen, aber wir sind einfach Handwerker, die ihre Arbeit gut machen mussen.“

  2. Mario Gast says:

    Lieber Link. Das ist nicht richtig. Durch die Bearbeitung am PC wird es zu einer Kunst. Wer Bilder machen nur als Handwerk sieht, hat die Fotografie als Kunst nicht verstanden und macht nur Bilder, die eben nur wie ein Handwerk (eine einfache gemauerte Mauer) aussehen.

  3. Daniel Scheidemantel says:

    Hallo!, habe mal eine frage und zwar können sie auchal Fotos von der Feuerwehr Meissen machen können?

    Viele Grüße
    Daniel Scheidemantel

    P.S. Tolle Tolle Bilder…

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