Geschichten vom Luminohof – Wiebke: Von einer, die auszog, das Leben zu lernen


Unsere Ankunft auf dem Luminohof ist nun genau einen Monat her. Ich möchte heute aber nicht über uns berichten, sondern über eine junge Erwachsene, welche meiner Meinung ein Gegenstück zu anderen Gleichaltrigen ist und viel mehr Beachtung in unserer Gesellschaft gebührt.

In den ersten Wochen haben wir nicht viel von Wiebke, die mit vollem Namen Wiebke von der Heiden, mitbekommen. Die 18-Jährige wurde aber oft von Veronica der Hofbesitzerin erwähnt. Sie würde hier auf dem Luminohof gegen Kost und Logis arbeiten. Work and Travel nennt sich das Ganze und ist gerade bei jungen Menschen sehr beliebt.

Und bei der Arbeit haben wir sie oft gesehen. In Arbeitshosen und Haaren, die zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden waren. Hier mal ein Hallo, aber mehr war bis dato irgendwie nicht drin. Doch das sollte sich ändern. Eines Morgens ging ich mit Shiba in den großen Garten des Luminohofs. Es schien ausnahmsweise mal die Sonne, was in letzter Zeit ja nicht so oft vorkam. Und genau an diesem Dienstagmorgen saß das junge Fräulein auf der Hollywoodschaukel mit Kater Tiger auf dem Schoß und ließ sich die Sonne ins Gesicht scheinen. Mit offenen, halblangen blonden Haaren. Ein ganz anderes Bild als zu den vorherigen.

Dabei dachte ich mir, dass ist doch der komplette Gegensatz. Das Mädel arbeitet hier mit Lehm und Putz, reißt halbe Bäume aus der Erde im Garten und dann dieser zierliche Anblick. Das wollte ich unbedingt auf Fotos festhalten und darüber berichten.

Und als ich Sie darauf ansprach, willigte sie sofort ein. Ich fragte als Erstes, wie lange sie denn noch hier auf dem Luminohof sei. Ich hatte nämlich gehört, dass sie bald abreisen würde. Noch bis morgen, erwiderte Sie. Dann wäre der dreimonatige Aufenthalt vorbei. Dann musste jetzt alles schnell gehen. Wir verabredeten uns für Mittwochmorgen um 9 Uhr, um ein paar Fotos zu schießen.
Unser Gespräch war aber an diesem Tag noch nicht vorbei. Ich wollte noch wissen, welche Arbeiten sie am liebsten ausgeführt und wie es ihr insgesamt gefallen hat. Ohne großes Zögern fing sie an zu erzählen, dass sie am liebsten mit Lehm und Putz gearbeitet hätte, die Gastfamilie sehr nett und freundlich war und sie überhaupt alles sehr vermissen wird. Was sie mir noch ohne fragen erzählte, und ihr sehr wichtig erschien, war, dass sie sich nicht ausgebeutet gefühlt hat. Es würde wohl öfter vorkommen, dass junge Menschen die diese Art des Reisens wählen, in ihrer Arbeitskraft gern ausgenutzt werden.

Ich merkte es ihr aber auch an, dass es ihr hier sehr gefallen hat. Sie machte auch einen ganz ruhigen und freundlichen Eindruck, der mich für dieses Alter doch sehr überraschte…..

Am nächsten Morgen machte die Sonne natürlich wieder einen Rückzieher. Es regnet aber nicht und am Himmel zeigten sich zumindest ein paar kleine Lücken, die etwas Licht durch ließen. Wiebke trat zum Fotoshooting ganz natürlich auf. Keine Schminke und das mit 18 Jahren. Zumindest konnte ich keine erkennen. Die Augen, die bei ihr besonders hervortraten, waren auf jeden Fall frei davon. Und genau das meinte ich am Anfang im Text. Heute schminken sich ja schon Kinder. Eine für mich gruselige Vorstellung, aber für die heutigen Verhältnisse leider normal. Eltern und Kinder werden ja regelrecht überall darauf hingewiesen und können sich dem Marketing der Kosmetikindustrie kaum entziehen.

Und ihr dürft mich jetzt nicht falsch verstehen. Ich bin kein absoluter Gegner von Schminke. Es kommt aber immer auf die Dosierung drauf an, wie überall. Bei Kindern hat sie jedoch nichts zu suchen, denn Natürlichkeit bedeutet auch Friede mit dem eigenen Aussehen und erscheint mir wichtig für die Entwicklung von Selbstbewusstsein und Eigenliebe. Eigenliebe? Was für ein verteufeltes Wort.

Selbstbewusstsein brachte Wiebke zum Fotoshooting einiges mit. Sie hatte keine Angst vor der Kamera und es entstanden so wenig gestellte Bilder. Zuerst gingen wir zu den Schweinen. Hier erzählte Wiebke mir, dass man die älteste Sau (13) nur am Bauch kraulen bräuchte und sie sich dann auf den Rücken legt und alle Vier von sich streckt. Das hat nicht ganz geklappt, aber man sieht es der Sau an, dass sie es mehr als genießt. 🙂

Auf unserem Rundgang über den Hof und im Garten, folgte wie so oft der Hofkater Tiger auf Schritt und Tritt. Das passte perfekt, denn Wiebke und Tiger schienen gute Freunde. Einmal gekrault, würde Kater Tiger immer gekrault werden wollen, erzählte sie freudig. Sie konnte aber auch nicht davon lassen, ihn zu streicheln. Ich fand diese Freundschaft hinreißend und die Bilder dazu sagen mehr als tausend Worte. Ich kann mir gut vorstellen, dass die beiden sich sehr vermissen werden.

Natürlich verging die Zeit schnell, wie bei allen Fotoshootings. Das bedeutet auch, dass es Spaß macht. Wiebke, die hier aus der Umgebung stammt, verließ am Nachmittag den Luminohof. Daheim bleibt sie aber nicht lange. Schon am Donnerstag geht ihre Reise weiter nach Dänemark, wo sie ein Jahr bleiben wird. Nach diesem Jahr, wird sie eine Lehre als Konditorin in Dresden antreten.

Alles Gute und schöne Reise, Wiebke….

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