Verlassene Orte: Warum ich manche Lost Places öffentlich verrate

Es ist ein kontroverses und viel diskutiertes Thema um Verlassene Orte. Verrate ich den Verlassenen Ort oder halte ich ihn geheim? In der Urbexer-Szene gibt es dazu klare Regeln: Es wird nichts öffentlich verraten, um den Verlassenen Ort vor Vandalismus zu schützen.

Ich für meinen Teil stehe diesen Regeln zwiegespalten gegenüber. Der Sinn hinter dieser Regel ist klar und verständlich und sicherlich nicht falsch. Sie lässt den Verlassenen Ort aber auch nicht im neuen Glanz erscheinen. Ein Eigentümer, dem etwas an seinem Grundstück liegt und es irgendwann nutzen möchte, kümmert sich darum und sichert es so, dass niemand hinein kommt. Beispiele dafür gibt es wie Sand am Meer.

Klar sollte uns auch sein, dass wir Urbexer uns meist selbst strafbar machen und in diesem Zusammenhang noch Regeln aufstellen wollen, wer diesen Ort betreten darf und wer nicht. Dazu fehlt uns einfach die Berechtigung. Was nicht bedeuten soll, dass alle Orte verraten werden sollen. Das steht jedem frei. Aber Regeln sind zum brechen da und Gelegenheit macht Diebe, hier nur in einem anderen Zusammenhang. Und sind wir dahingehend bitte grundehrlich. Wer öffnet eigentlich verriegelte Lost Places? Der vernünftige Urbexer macht so etwas nicht? Er ist aber auch ziemlich genervt, wenn interessante Orte verriegelt und verrammelt sind. Das konnte ich in vielen Foren und Gruppen heraus lesen.

Das genervt sein ist auch verständlich, denn mir geht es teilweise ebenso. Anfragen an die Eigentümer hat meist wenig Erfolg. Es wird nicht geantwortet, oder der Eigentümer ist nicht gewillt, was natürlich akzeptiert wird. Ein Einbruch kommt für mich niemals in Frage, die Neugier und das Interesse bleibt aber bestehen.

Und somit dreht sich das Rad unaufhaltsam immer weiter. Irgendwann hat es nun jemand aufgebrochen oder ein Fenster eingedrückt. Keiner wird es wirklich zugeben, dass er es war und in dem Gebäude sind vernünftige und weniger vernünftige Leute unterwegs. Das wird niemals verhindert werden können.

Ich wünsche mir, dass vor allem die Eigentümer etwas lockerer werden und vorrangig ihre Gebäude vernünftig sichern und gar nicht erst in den Status verfallen verkommen lassen, aber auf Anfragen auch mal positiv reagieren. Das würde schon viel bewirken. Ein gutes Beispiel dafür ist das Kornhaus in Meißen. Klick für Bilder: Das Kornhaus zu Meißen: Eine vergessene Schönheit

Die strenge Urbexer-Szene und ihre Regeln sind vernünftig und wichtig, gelten aber nicht allgemeingültig. Ehemals öffentliche Gebäude sind für viele immer noch von großem Interesse und es interessieren sich viele für ihre Geschichte und was aus diesen Orten geworden ist. Und dazu gehört meiner Meinung auch das Benennen des Gebäudes mit seinem richtigen Namen. Es ist nun mal das Alte Landkrankenhaus in Meißen Cölln oder der Hamburger Hof. Es gibt geschichtliche Einträge im Internet und alte Postkarten. Alle müssten umbenannt werden.

Wichtig ist aber vor allem der Respekt vor fremden Eigentum. Grundsätzlich sind wir es, die Regeln brechen und in private Grundstücke eindringen. Dies würde ich selbst nicht gut finden. Sie sind natürlich äußerst interessant und ich finde es auch sehr wichtig, dass sie dokumentiert und in der Öffentlichkeit gezeigt werden, gerade wenn es sich um ehemals öffentliche Gebäude handelt. Die Eigentümer sollten versuchen, die Szene zu verstehen. Das es sich eben nicht um Zerstörungswut, sondern um den Charme der alten Architektur, der Geschichte und der Fotografie dreht. Das die Bilder aus Verfall und ehemaligen regen Treiben eine ganz gewisse Aura umgeben und das vor allem die Architektur viele in eine Vergessene Welt versetzt. Das zieht viele Menschen an und macht extrem neugierig.
Zum Abschluss möchte ich das komplexe Thema noch in zwei kurze Sätze fassen:

Ein einziger Vandale hinterlässt viel Verwüstung und 10.000 Spuren. 10.000 vernünftige Urbexer hinterlassen nicht eine.

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