Schon oft fiel mir das große graue Kornhaus, welches nur durch einen Verbindungsgang mit der Albrechtsburg getrennt wird, auf. Auch von dem Historischen Rundweg ist die alte graue Fassade, an der sich eine große Efeu-Pflanze an den Mauern weit hinauf schlängelt, nicht zu übersehen. Sie passt nicht zu den anderen Fassaden hier oben auf dem Domplatz zu Meißen, welche frisch und farbenfroh viele Gäste zu Übernachtungen, Feierlichkeiten sowie Speis und Trank einladen. Der Putz des alten Kornhauses fällt teilweise vom Mauerwerk, in den Fenstern brennt Abends kein Licht und im allgemeinen macht der Gesamteindruck des dennoch stattlichen Gebäudes zwar keinen verfallenen, aber dafür einen verlassen, trostlosen Eindruck.

Trostlos. Das passt irgendwie nicht zu der geschichtsträchtigen Umgebung hier oben auf dem Domplatz. Ein verlassener Ort genau vor den Füßen des ältesten Schlosses Deutschlands? Der Wiege Sachsens? Und doch ist es möglich. Das Kornhaus, welches zeitnah mit der Albrechtsburg entstand, steht heute leer. Einst Getreidespeicher, Pferdestall und Wohnsitz der königlichen Familie, wurde das Kornhaus ab 1897 als Wohngebäude umfunktioniert und bis in das Jahr 2008 noch als dieses genutzt, danach in Privathände verkauft. Im Inneren des Kornhauses sind an den Türen noch viele Namensschilder der ehemaligen Bewohner zu lesen. Auch der berühmte Meißner Maler Ulrich Jungermann wohnte hier. Lasst uns nun gemeinsam genau dieses spannende Innere erkunden. Ich hatte das Glück, es fotografisch über eine gewisse Zeit festzuhalten.

Gleich beim Eintreten durch die große Holztür taucht man hier in eine scheinbar andere Welt ein. Linker Hand kommen wir direkt in den ehemaligen Pferdestall. Dieser besticht durch sein elegantes Kreuzgewölbe. Eine düstere, aber romantische Atmosphäre ist hier vorhanden. Vor allem, wenn das Sonnenlicht seitlich durch die Fenster hineinscheint und den ehemaligen Pferdestall mit anliegender Kutschengarage mit gedämpftem Licht durch die milchigen Fensterscheiben durchflutet. Hier waren zu königlichen Zeiten nicht nur die Pferde unter gebracht. Hier unten gab es neben dem Pferdestall auch noch eine Backstube und eine Küche, die das Schloss mit Essen versorgte. Vor gar nicht allzu langer Zeit, wurde hier ein Teil des Trailers zur Sonderschau: „Zum Leben und Wirken des Benno von Meißen, Sachsens erstem Heiligen“ gedreht. Die Sonderausstellung findet vom 12. Mai bis 5. November 2017 auf der Albrechtsburg Meißen statt. Mehr dazu: Schlösserland Sachsen – Benno von Meißen

Zurück im prächtig wirkenden Treppenhaus, gehen wir eine Etage höher links in die erste Wohnung. Links davon besticht der Flur durch zwei runde Fenster und ein paar Toiletten im Holzverschlag. Die runden Fenster sehen aus wie Bullaugen. Das erste richtet den Blick zum Eingang des Pferdestalls, dass andere direkt auf die große Eingangstür im Treppenhaus. Vielleicht zur Kontrolle für den königlichen Stallmeister, damit die Knechte nicht zu viele Raucherpausen machen. 😉 Die Wohnungen bestechen fast alle durch schön geschwungene Fenster, aus denen man entweder in das schöne Meisatal oder auf den Domplatz blickt. In den oberen Etagen ist die Sicht bis ins Elbtal nach Winkwitz und Proschwitz möglich. In den großen Wohnstuben des mittelalterlich wirkenden Kornhauses zu Meißen, sind Erker zu einem großen Fenster gefasst, die somit einen einst adligen Wohnsitz vermitteln. Die Fußböden sind zum großen Teil mit alten, mächtigen Holzdielen versehen.

In einigen Küchen stehen alte, schwere Gussöfen, die noch mit Holz angefeuert und als Wärmespender und Kochstelle genutzt wurden. Neben den nostalgisch wirkenden Küchenöfen, stehen in einigen Wohnstuben alte, im Jugendstil hervorstechende Kachelöfen der einstigen Teichert-Werke in ihren schönsten Farben. Diese geben in der teilweise düsteren Atmosphäre einen starken Kontrast wieder, da sie wie frisch poliert aussehen und sich das einfallende Licht wunderschön in ihnen widerspiegelt. Von einer Bruchbude, wie es oft dargestellt wurde, ist das Kornhaus weit entfernt. Keine Löcher in den Decken, kein Putz fällt von den Wänden. Außer ein paar Löchern in den Fußböden, die durch archäologische Befunde durch das Denkmalamt entstanden, ist das Kornhaus gut in Schuss. Natürlich ist es durch seine Größe dennoch ein enormer Aufwand, es für eine Nutzung als Hotel, Event, – oder Gastronomiebetrieb herzurichten.

Ein weiteres Augenmerk bietet der zweistöckige Dachboden des Kornhauses. Der mit dicken Holzbalken durchzogene Dachboden wirkt durch nicht abgetrennte Räume, bis auf ein paar Dachbödennischen der ehemaligen Bewohner, fast endlos. Durch die wenigen und kleinen Fenster erhält er wenig Licht und wirkt daher sehr düster. Der gegenteilige Part, dass Kellergewölbe, erhält fast gar kein Tageslicht. Hinter dem düsteren Keller verbirgt sich jedoch ein geschichtsträchtiger Ort. Hier im großen Kellerraum war einst das Brennhaus der Porzellanmanufaktur untergebracht. Hier wurde vor langer Zeit das weiße Gold hergestellt, was neben der Albrechtsburg Meißen so berühmt machte.

Im Kornhaus zu Meißen gibt es viele weitere kleine Details zu entdecken. Fein strukturierte Türbeschläge, alte Türgriffe, kleine Vorratskammern und in die Wände eingefasste Schränke. Nostalgisch wirkende Toiletten im Treppenhaus und in den langen Fluren, die schier endlos erscheinen. In einem Bad, was zugleich auch wie eine Küche wirkte, stand ein geschlossener Schrank, der von außen wie ein gewöhnlicher Küchenschrank aus DDR-Zeiten wirkte. Wir öffneten ihn vorsichtig und ein nicht definierbares Innenleben mit einem großen Griff wurde uns offenbart. Etwas verwirrt waren wir, als wir an dem großen Griff zogen und eine ausklappbare Badewanne zu Vorschein kam.

Bei einem alleinigen Besuch, es war ein trüber Novembertag, untersuchte ich Öfen und Fußböden nach Relikten ab, um so vielleicht etwas zu finden, was aus damaligen Zeiten herrührte. Ein Passfoto, eine Lohnabrechnung für Lehrlinge des VEB Bau Meißen aus dem Jahre 1970 und ein Vertrag über dem Empfang von 40 Mark für ein Luftgewehr fielen mir somit in die Hände. Daneben wurden zahlreiche sozialistische Zeitungen gefunden, die als Fußbodendämmung genutzt wurden. Hier kam noch ein Veranstaltungsplan für Meißen aus dem Jahre 1971 zum Vorschein. Links oben in der Ecke steht klein geschrieben: „Klub der Werktätigen rund um die Albrechtsburg“.

 

Zum Abschluss möchte ich euch noch ein paar Impressionen aus dem Meißner Kornhaus zeigen, die ich mit Sicht aus einigen Fenstern gemacht habe. Oft war das Wetter stürmisch und regnerisch, sozusagen typisch herbstlich und die Stimmung passte sehr gut zu den alten Gemäuern. Ich hoffe, es hat auch Spaß bei diesem kleinen Rundgang durch Meißner Kornhaus gemacht. Demnächst wird es noch ein kleine Spezial geben und zwar eine kleine Fotogalerie zu einem Steam-Punk-Shooting im Kornhaus. Das erfahrt ihr dann wie gewohnt auf Facebook!

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5 Kommentare

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  2. Antje Gabel-Engler

    Mein Mann und ich sind gerade dabei unsere Heimat, meine Geburtsstadt Meißen neu zu entdecken. Auf das Kornhaus sind wir durch baldiges Kulturfest aufmerksam geworden. Ich kenne es noch als bewohntes Haus, sehr viel früher… Die Fotos sind wirklich interessant u. es lohnt sich auf jeden Fall Altes „wiederzubeleben“, in den öffentlichen Fokus zu rücken!

  3. Toller Artikel, gefällt mir gut. Ich habe diesen auf
    Facebook geteilt und einige Likes dafür bekommen. Weiter so!

  4. Hallo, sehr schön geschrieben und super stimmungsvolle Fotos! Ist das Kornhaus denn immer noch im gleichen Zustand und kann man es problemlos besichtigen? LG

    1. Nach meinen Erkenntnissen ist das leider nicht mehr möglich.

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