Ottewig – Jahna – Salbitz: Alten Gasthöfen auf der Spur

Der alte Gasthof in Ottewig – damals und heute

Ich möchte Euch heute auf eine traurige Reise mitnehmen. Eine Reise, die den Verfall schöner und meist denkmalgeschützter Gebäude dokumentiert. Es sind Gebäude, die einst sehr beliebt waren. Gasthöfe waren soziale Treffpunkte und der Mittelpunkt vieler Dorfgemeinschaften. Es wurde getanzt, gelacht, sich verliebt und sicher auch mal die Nase blutig gehauen. Sie waren das reale Facebook einer Zeit, die langsam vergessen wird und nach und nach komplett von der Bildfläche verschwindet.

Der Tag startete sonnig und regnerisch zugleich. Das Käbschütztal erstrahlte seit langem in einem warmen Sonnenlicht. Am Horizont lässt der kurze Regenschauer sogar einen Regenbogen entstehen. Die Fahrt ist ruhig und entspannt, auch wenn wir nicht genau wissen, was uns heute erwarten wird.

 

Gasthof Ottewig

Die Route habe ich nach Recherchen im Internet in Googlemaps erstellt. Sie hatte anfänglich wenig mit Gasthöfen zu tun. Nur unser erster Stopp sollte der ehemalige Gasthof in Ottewig sein. Und diesen erreichten wir nach knapp einer halben Stunde Fahrt. Schon nach dem ersten Anblick aus dem Auto war uns klar, dass der Verfall hier nur eine äußerliche Begutachtung zulassen wird. Der Saal, der einst mit schönen Fensters aus Buntglas verziert war, ist schon eingestürzt. Der erste traurige Anblick für heute.

Nach Recherchen im Internet gibt es nicht viel über den alten Gasthof zu finden. Eine alte Postkarte lässt zumindest noch den Namen erfahren: „Gasthof zur goldnen Krone“. Klingt wirklich edel. Später beinhaltete das Gebäude noch einen Lebensmittelladen. Sicher zu DDR-Zeiten, wo fast jedes Dorf noch einen HO-Laden oder Dorfkonsum besaß.

 

Gasthof Jahnatal

Der alte Gasthof in Jahna

Das nächste Ziel war der Ortsteil Jahna in Ostrau. Hier wollten wir uns die 1677 erbaute Kirche und den historischen Friedhof anschauen. Während wir den Friedhof ansteuerten, sahen wir kurzerhand ein Gebäude mit der Aufschrift Gaststätte Jahnatal. Natürlich nahmen wir den leerstehenden Gasthof zuerst unter die Lupe.

Nach genauerer Begutachtung entdeckte ich einen älteren Herrn, der neben dem Gasthof in seiner Garage werkelte. Er war direkter Nachbar des Grundstückes und wusste sicher etwas darüber. Und so war es dann auch. Nach der Begrüßung und meiner Frage nach dem Gasthof, erzählte er sichtlich freudig die wechselnden Besitzer mit all ihren Vorhaben. Alle sind bisher gescheitert. Es gibt zwar eine Besitzerin, aber die kümmert sich wohl nicht wirklich um den alten Gasthof. Er wird wohl abgerissen, was der vorletzte Satz des netten Mannes, der mir am Anfang etwas grimmig dreinschaute. Der letzte Satz des Mannes war dann: „Ich habe hier noch Meisenknödel. Die werde ich jetzt in die Bäume hängen.“ Diesen Satz sprach er mit einem so freudigen und vertrauten Lächeln aus, das er mir wirklich sehr sympathisch wurde und ich mich über diese Bekanntschaft sehr gefreut habe.

Nach diesem heiteren und sehr interessanten Gespräch, erkundeten wir noch den besagten Friedhof. Falls ihr mal in der Gegend seid, können wir euch diesen nur empfehlen. Die alten Gräber sind teilweise mit historischen Ornamenten und Figuren verziert und wirklich schön anzusehen. Etwas gruselig wurde es auch. Direkt an der nördlichen Friedhofsmauer stand ein verlassenes Häuschen, was Nicole als die Totengräberwohnung taufte. Und irgendwie versprühte dieses Haus wirklich eine etwas merkwürdige Atmosphäre.

 

Gasthof Salbitz/Weichteritz

Durch das interessante Gespräch mit dem älteren Herrn erfuhren wir außerdem, dass im nächsten Ort ebenfalls ein Gasthof leer steht. Und damit machten wir uns auf den Weg zum dritten und vorerst letzten Gasthof auf dieser Tour.

Gasthof Weichteritz damals und heute

Der Gasthof in Salbitz/Weichteritz machte auf uns den fittesten Eindruck. Das Dach schien dicht und sogar die Grünflächen um das Gebäude herum wurden gepflegt. Die Fenster waren alle ganz und ein Blick durch diese schuf auch im Inneren einen ordentlichen Eindruck. Zumindest scheint dieser Gasthof nicht ganz verloren.

Leider fand ich auch zu diesem schönen Gebäude keine großen Infos. Eine ungelaufene Postkarte bei zeno.org verriet jedoch wieder den ehemaligen Namen des Gasthofs: „Gasthof zu den sechs Linden“. Auch konnte ich, da gemeinfrei, wieder ein damals und heute Bild daraus basteln. Damit lässt es sich immer gut die alte und neue Zeit in einem Bild festhalten.

Genau gegenüber des Gasthof stand noch ein sehr schönes altes Fachwerkhaus in grausigem Zustand. Hier scheint niemand mehr etwas zu pflegen und ein weiterer trauriger Anblick kam auf unsere positiv/negativ Liste, auf der die negativen Anblicke weit überlegen waren. Und es sollten nicht die letzten sein. Auf unserer weiteren Tour durch Nordsachsen, stießen wir durch Zufall auf einen knapp 200 Jahre alten Bauernhof, welchen ich Euch in meinem nächsten Blog vorstellen werde.

Ich hoffe, Euch hat dieser Blog gefallen und ihr konntet einen kleinen Einblick in diese kleine Zeitreise erhalten. Sicher könnte man diese Tour durchs Sachsenland fortsetzen und weitere Gasthöfe vorstellen. Vielleicht kommt ja ein zweiter Teil 🙂

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