Meißen – Warum wir dringend ein Freibad brauchen

Wie jeden Sommer entfacht die Diskussion erneut. Warum hat Meißen kein Freibad mehr und warum ist es so schwer, ein neues zu eröffnen?

Das alt bewerte Rezept gegen ein neues Freibad ist sehr einfach zu beantworten. Es kostet zu viel Geld und rechnet sich nicht. So macht man es sich sehr einfach und ein Widersprechen und Gegenargumentieren ist fast unmöglich. Denn habe ich kein Geld, kann ich mir nicht das kaufen, was ich möchte. Das kapiert jeder und es ist so plausibel wie das Amen in der Kirche.

Doch so einfach funktioniert das natürlich nicht. Denn Meißen hat ein großes Hallenbad. Das kostet ja auch Geld. Das Hallenbad wird sogar teilweise erweitert. Mit Geld, versteht sich. Es werden sogar Becken erweitert. Dann wird es für die Bürger wieder verwirrend. Weiter unten verrottet seid Jahren ein großes Becken und ein Stück weiter oben werden neue gebaut.

Wenn wir aber nur das Geld als Argument nehmen, kommen wir eh nicht weiter. Das verwirrt nur. Denken wir doch einmal menschlich und sinnvoll für die Zukunft unserer Kinder. Für die Generationen, die noch Freibäder kennen und dort ihre Sommer verbrachten, waren diese doch ein großer Spielplatz und Schule des Lebens zugleich. Eine Begegnungsstätte für jung und alt, die heute ihresgleichen sucht. Es wurde zusammengefunden, gelacht und auch mal geweint. Es wurden Freundschaften geschlossen und gepflegt, oder sogar die große Liebe gefunden.

Heute sagt man uns, dass so etwas nicht mehr möglich ist. Es ist kein Geld dafür da. Woanders purzeln die Subventionen im Überfluss, aber ein Freibad ist einfach nicht drin. Deutschland, eines der reichsten Länder, schloss alleine im Jahr 2017 62 Freibäder und 113 Hallenbäder. Aber wo werden Alternativen geschaffen? Wo bleibt die Ergänzung für die Menschen, die diese Begegnungsstätten benötigen und sich auch leisten können, damit es ihnen sozial gut geht?

Denn genau das sind Freibäder. Soziale Begegnungsstätten, die jeder Mensch benötigt, die es aber immer weniger gibt. Das Gute war vor allem, dass sich Menschen aus allen Schichten dort trafen, weil die Preise erschwinglich waren. Und was ist die Folge?

Ich habe es schon mal so ähnlich im Interview mit dem Lokalportal geschrieben. Es werden den Menschen soziale Plattformen zum Zusammensein entzogen, vor allem Jugendlichen. Diesen Trend kann auch schlecht widersprochen werden, denn er ist ja ersichtlich. Das spielt sich auch nicht nur im Rahmen eines Freibades ab. Es gibt natürlich weiter Angebote für Kinder und Jugendliche, keine Frage. Aber sie sind nicht einfach zu erreichen. Sei es preislich oder der Entfernung geschuldet. So bleibt ein Teil auf der Strecke und fühlt sich weiter abgehängt.

Die Folge sind herumlungern, Blödsinn machen und in einer kleinen Welt dahinleben und alles was außerhalb passiert als beängstigend und sinnlos empfinden. Ihnen fehlt einfach der Kontakt zu den verschiedensten Menschen und genau solche Plattformen müssen geschaffen werden. Nicht bei Facebook, sondern im echten Leben.

Wir können das Problem also weiterhin damit abtun und sagen, es wäre kein Geld da. Dann müssen wir aber auch mit den Konsequenzen leben und brauchen uns nicht beschweren, dass sich Teile der Bevölkerung abwenden und komplett verschließen, weil wir ihnen Anker des Lebens entziehen. Oder wir setzen Prioritäten, so wie wir es an anderen Stellen tun und investieren in die Zukunft unserer Kinder und in ein Lebensgefühl, was sich Gemeinschaft nennt.

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