Friedhöfe in Meißen: Der vergessene Friedhof St. Nikolai - Mystik Moments Fotografie Meißen

Friedhöfe in Meißen: Der vergessene Friedhof St. Nikolai

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Nach dem Alten Johannesfriedhof in Meißen Cölln, möchte ich euch heute den wunderschönen Nikolai-Friedhof am Lerchaweg im Meißner Triebischtal vorstellen.

Eigentlich fand ich den Friedhof am Lerchaweg, welcher der Kirchgemeinde St. Afra zugehört, durch Zufall bei der Foto-Tour zur alten Ruine im Triebischtal. Vorher ist mir immer nur die Kapelle aufgefallen, die man auch von unten aus dem Triebischtal sehen kann. Ich dachte aber immer beim Anblick an ein verlassenes altes Haus, welches abgeschottet auf einen Grundstück steht. Fehlanzeige. Ich kannte auch den Lerchweg nicht. Dieser war mir vom Namen zwar geläufig, da ich oft die Hirschbergstraße ins Triebischtal zu Fuß nahm, aber ich bin den Weg nie gegangen.
Und vielleicht fragt sich jetzt der ein oder andere von euch, warum ich einen Friedhof, wessen Kapelle und Leichenhalle am verfallen sind, als schön bezeichne. Das hat seinen Grund. Der Verfall passt einfach zu dem Ambiente Friedhof und gibt ihm daher dieses gewisse etwas. Natürlich ist es ein Zwiespalt. Was verfällt, ist irgendwann nicht mehr da, außer es wird erneuert. Dann ist es jedoch irgendwie langweilig, wobei die Kapelle des Nikolai-Friedhofs sicher auch saniert toll aussehen würde, solange nicht irgendwer auf die Idee kommt, einen verglasten Außenlift anzubauen.

Aber zurück zum Nikolai-Friedhof. Wie erwähnt wirkt der recht kleine Friedhof sehr authentisch. Er hat diese ganz besondere Stimmung, welche ich euch wie immer per Foto und Bearbeitung herüberzubringen versuche. Dabei ist natürlich wie immer ein Hauch reger Fantasie im Spiel, damit auch ein wenig Gruselstimmung aufkommt. Ein paar Bilder dazu seht ihr hier jetzt in der nächsten Galerie.

Der Nikolai-Friedhof steht zum Teil sogar unter Denkmalschutz. Die Kapelle, die Leichenhalle und einige einzelne Kriegsgräber aus dem 1. Weltkrieg gehören dazu. Umso mehr sollte hier dem Verfall entgegengetreten werden.

Eine weitere Besonderheit ist eine alte Grabplatte, die versteckt neben dem Geländer, kurz vor der Kapelle, in einer Ecke steht. Sie weißt die Ruhestätte von Johann Ernst Jacobi auf, dem Mitbesitzer der Meissner Eisengieserei und Machinenbauanstalt. Diese Fabrik stand unterhalb der Hohen Eifer, wo heute ein Wohnblock steht. Man spezialisierte sich damals auf Maschinen, die für Keramik, Ton- sowie Ziegelfabriken nötig waren. Davon gab es wahrlich sehr viele hier in Meißen.

Ein Einblick in die Kapelle und der Leichenhalle

Zum Tag des offenen Denkmals ist die Kapelle des Nikolai-Friedhofs manchmal zu besichtigen. Ich hab mit der Kamera versucht, durchs Fenster zu fotografieren und hab dadurch einen Einblick ins Innere erhaschen können. Nach diesem Anblick scheint es so, als ob es niemand so wirklich Ernst mit der alten Kapelle meint.

Die Leichenhalle als solche konnte ich nicht eindeutig identifizieren. Jedoch steht parallel zur Kapelle am höchsten Punkt des Friedhofes eine Art kleine Kapelle, die sogar offen steht. (siehe Bilder  unter der Innenansich der Kapelle) Ob es sich dabei um die Leichenhalle handelt, ist ungewiss. Jedoch scheint sie mir viel zu klein und die Leichenhallen waren wohl des öfteren direkt an die Friedhofskapellen angebaut oder integriert. Aus alten Adressbüchern (1887-1906) ist ebenfalls noch etwas interessantes zu erfahren. Am Lerchweg 11, also direkt neben dem Friedhof, wohnte immer der Totenbettmeister. Ein alter Beruf, den es heute nicht mehr gibt. Er hatte die Aufgabe, die Toten aufzubahren und für die Beerdigung herzurichten, Gruben für die Särge auszuheben und so weiter.

Ich hoffe, euch hat dieser kleine Ausflug auf den abgelegenen Friedhof St. Nikolai gefallen. Im nächsten Beitrag zur Blog- und Fotoreihe „Alte Friedhöfe in Meißen“ werden wir den Neuen Johannesfriedhof besuchen.

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1 Kommentar

  1. Numismaticus vom Triebischtaler

    Der Friedhof „Neuer Nikolaifriedhof“ (heute St. Nikolai genannt) ist der Nachfolger vom ehemaligen Nikolaikirchhof, welcher 1879 geschlossen wurde. Hier über dem Triebischtal fand am 12. Januar 1879 die erste Bererdigung statt.

    Deine Fotos zeigen das traurige Gesicht von heute. Dabei werden auch einst geehrte und angesehene Persönlichkeiten der Stadt einfach vergessen. Ein klarer Fall von Behördenamnesie.

    Gruß Numismaticus

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