Alte Friedhöfe in Meißen: Der alte Johannesfriedhof in Meißen Cölln

In diesem zweiten Blog-Artikel über alte Friedhöfe in Meißen, möchte ich euch den alten Johannesfriedhof in Meißen Cölln vorstellen. Im ersten Teil dieser Blog- und Fotoreihe wurde der Wolfgang Friedhof im Meisatal vorgestellt.

Was bewegt Menschen, ohne den Grund einen Verstorbenen zu besuchen, auf einen Friedhof zu gehen? Im ersten Teil schrieb ich von der entspannenden Ruhe, die ein Friedhof ausstrahlen kann. Dies möchte ich noch ein wenig erweitern, da der alte Joahnnesfriedhof trotz seiner vielen Besucher eben diese Ruhe inne hat.

Ich habe einmal drüber nachgedacht, warum wir eigentlich diese Ruhe und Stille aufsuchen. Wahrscheinlich ist es der Alltagslärm, der uns eigentlich sekündlich umgibt. Der Friedhof erscheint damit fast als Zufluchtsort mitten in einer Großstadt voller Lärm. Nicht das Meißen eine Großstadt wäre, aber voller Lärm und Menschen ist Meißen trotzdem. Betritt man einen Friedhof, ist selbst der Autolärm kaum hörbar. Das liegt wohl oft an den hohen Friedhofsmauern, die diesen Lärm fern halten. Jenes Privileg nutzen auch viele Tiere und Vögel, die oft einen Friedhof bevorzugen und dort ausgelassen und ungestört ihren Tag verbringen. Ob auch sie vor dem Lärm der Großstadt fliehen? Gerade Amseln sehe ich eigentlich fast immer ausgelassen und völlig unbehelligt auf dem Johannesfriedhof herumtollen. Ein Eichhörnchen konnte ich ebenfalls beim Bau seines Nestes (Kobel) beobachten.

Ich bin mir fast sicher, dass Mensch und Tier in diesem Fall vom selben Schlag sind und diese Ruhe genießen. Natürlich ist ein Friedhof kein Ausflugsort wie der nahegelegene Stadtpark oder Stadtwald. Keine Familie wird vorschlagen, wir machen heute einen Ausflug auf den Stadtfriedhof. Das sollte auch nicht so sein, denn dann wäre es schnell vorbei mit der Ruhe und der Friedhof würde seinen Sinn verfehlen.

Der Johannesfriedhof in Meißen Cölln ist wahrlich alt. Ausgrabungen zufolge, wurde er wohl in Kombination mit der Urbanskirche um 1200 angelegt. Diese Kirche wird heute als Trauerkapelle genutzt und wurde um 1900 von der Johanneskirche als solche ersetzt. Ein wirklich alter Teil ist nicht wirklich erkennbar, wobei einige Gräber natürlich alt sind und der Mittelteil meines Erachtens als solcher genannt werden könnte. Der Johannesfriedhof besticht eher durch seinen Baumbestand und Gesamteindruck, der selbst neue Gräber alt erscheinen lässt.

Ein besonderes Merkmal für den Alten Johannesfriedhof sind zwei alte Buchen, die auch als Naturdenkmal markiert sind. Erst letztens sah ich eine alte Dame diese kurz berühren. Es schien wie ein Brauch oder Ritual. Näheres dazu fand ich nach meiner Recherche aber leider nicht.

Im ersten Teil dieser Blog- und Fotoreihe habe ich versprochen, noch etwas über das Vorurteil „Störung der Totenruhe“ zu schreiben. Manch einer ist ja schon der Meinung, die Totenruhe sei gestört, wenn man ohne einen erdenklichen Grund einen Friedhof besucht. Dem ist natürlich bei weitem nicht so. Selbst das Fotografieren hat wenig mit „Störung der Totenruhe“ zu tun und ist in den meisten Fällen auch erlaubt. Zu beachten wäre natürlich die jeweilige Friedhofsordnung des Friedhofs, die natürlich von Friedhof zu Friedhof variieren kann. Grundsätzlich gilt als Störung der Totenruhe aber, wenn Gräber beschädigt oder deren Inhalt entnommen wird. Ebenfalls fallen Lärm und Beschimpfungen unter die Störung der Totenruhe. Ein weitläufiges Gerichtsurteil geht aber oft auf kriminelles Verhalten der Mitarbeiter der Krematorien selbst zurück. So ist die Entnahme von Zahngold verbrannter Leichnam ein wohl sehr lukrativer Nebenverdienst.

Zum Schluss zeige ich euch noch ein paar Winterimpressionen vom Alten Johannesfriedhof in Meißen Cölln. Ich hoffe, euch hat es wieder gefallen und ihr seid beim nächsten Mal wieder mit dabei. Als nächstes werde ich euch den vergessenen, aber wunderschönen Nikolai-Friedhof am Lerchaweg im Triebischtal vorstellen.

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1 Kommentar

  1. mir geht es genauso. ich mag aber eigentlich nur stillgelegte friedhofe, deswegen hat mir auch der friedhof st. marx so gut gefallen, der seit uber 100 jahren nicht mehr in betrieb ist. leider wird er nun restauriert und verliert so mMn sehr viel von seinem echten charme der verlorenen zeit.

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