Fotoausflug: Vom Schloss Gauernitz bis zum Schloss Scharfenberg

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Vor einiger Zeit schrieb mir jemand eine Nachricht auf Facebook, ob ich denn nicht einmal die Gegend um Gauernitz in der Gemeinde Klipphausen fotografieren könnte. Und ja, solch eine Tour war schon lange angedacht und heute sollte es soweit sein. Zwar haben wir erst Anfang Februar und die Bäume sind noch kahl und die Landschaft und Wälder grau. Das sollte aber niemanden davon abhalten, trotzdem raus in die schöne Natur zu gehen. Gerade jetzt ist der Blick oft frei auf Dinge, die in den Sommermonaten durch Laub bedeckt sind.

Es geht wie immer los am Busbahnhof Meißen. Diesmal mit der Linie 404 Cossebaude. Diese Linie fährt gerade mal 6-7 mal am Tag. Ziemlich wenig, aber wahrscheinlich ausreichend. Am Busbahnhof ist gähnende Leere. Diese Leere zieht sich die ganze Strecke bis zu unserem Ziel hin. Kein Mensch steigt ein, kein Mensch steigt aus. Was logisch erscheint. Wenn niemand einsteigt, kann auch niemand aussteigen. Von Meißen bis Gauernitz sage und schreibe zwei Fahrgäste. Das ist nicht viel und die wenigen Fahrten der Linie 404 am Tag erklären sich hier von selbst.

Endstation ist die Haltestelle Gauernitz am Alten Gasthof. Wir werden von hier durch den wunderschönen Eichhörnchengrund wandeln und dem grünen Wanderweg bis nach Pegenau folgen. Nach ein paar kleinen Eindrücken von Pegenau werden wir das romantische Schloss Scharfenberg ansteuern und später auch ein wenig besichtigen.

Alter Gasthof Gauernitz

Ich muss ehrlich zugeben: mit dieser Gegend verbindet mich nicht viel. Die Strecke Meißen-Dresden und zurück war mal eine Zeit lang Arbeitsweg. Beim vorbeifahren an dem alten Gasthof und dem Schloss wurde mir immer flau im Magen. So richtig begreife ich es bis heute nicht, auch wenn die Gründe auf der Hand liegen, warum solche eleganten und schönen Gebäude vor sich hin vegetieren. Der alte Gasthof ist von außen äußerst unscheinbar und grau. Viele würden hier sofort sagen: „Reißt das alte, hässliche Teil nieder!“. Aber der Schein trügt gewaltig. Das alte DDR-Grau verwandelt sich innen in ein farbenfrohes Etablissement, so wie diese großen Gasthöfe früher einmal genannt wurden.

Heute ist zwar der Verfall ziemlich weit fortgeschritten, aber man kann erahnen, wie stilvoll und elegant der Saal mit Bühne einst aussah. Verzierte Holzsäulen, Stuck und sogar Wandmalereien kommen durch die alte Leimfarbe zum Vorschein. Bianca King schrieb passend im Kommentarbereich auf Facebook zu einem Bild vom alten Saal des Gasthofes Gauernitz: „Ich stelle es mir gerade voller Gäste vor, schön renoviert…fast so traurig wie der Anblick der gesunkenen Titanic.“

Versunken ist der alte Gasthof Gauernitz zwar nicht, aber er wird bald in sich zusammenfallen, was dem untergehen gleich kommt. Hier gibt es wohl keine Rettung und Hoffnung mehr. Zu sehr haben sich natürliche Prozesse aus Nässe und Kälte über Jahrzehnte festgesetzt und Wände und Holz porös gemacht.

Doch solche sogenannten Etablissements gab es damals reichlich. Selbst kleine Örtchen verfügten nicht selten über solche Gasthöfe. Aber was ist passiert, dass diese fast alle verschwunden sind? Diese Frage ist gar nicht unbedingt so schwer zu beantworten. Tanz und Disko hat sich gerade bei den Jugendlichen geändert. Damals ging es zum Tanz ins eigene Dorf, heute muss man bis nach Dresden. Das vermeintlich triste Dorfleben und ihre hinterwäldlerischen Bewohner, so wie es medial propagiert wurde, sind nicht so hip und cool wie die Städter. Dort ist der Fortschritt und dort findet das wahre Leben statt. Dort gibt es zwar Diskos in wenig eleganter und stilvoller Atmosphäre, aber dafür wirst du dort von den wirklich richtigen und vor allem wichtigen Leuten gesehen. Heute ist die Sehnsucht nach dem Landleben wieder größer. Bei vielen reicht es zeitlich leider trotzdem nur für die Zeitschrift Landlust, Landkind und wie sie alle heißen.

Der elektronische Fortschritt, der viel vereinfachte und in vielerlei Hinsicht auch sinnvoll ist, hat hier ebenfalls einiges dazu beigetragen. Wir haben im Grunde die eleganten Gasthöfe mit ihren Bands und Veranstaltungen gegen den bequemen Fernseher und das Internet eingetauscht. Dort kann man das auch bequemer genießen. ( vorsicht Ironie)

Schloss Gauernitz

Gauernitz hat 1200 Einwohner und ist in vier Ortsteile aufgeteilt. In Constappel, Hartha, Pinkowitz und Wildberg. Die Gemeinde besitzt viele Kulturdenkmäler, unter anderem das Schloss Gauernitz. Eine große und schöne Anlage, die man leider nicht betreten darf und an deren Eingängen etliche Warnschilder prangen. Ich mag das gar nicht, wenn solche alten Kulturgüter verrammelt und verriegelt werden und nicht für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Andererseits ist es wieder verständlich, wenn Privatpersonen dort leben und ihre Ruhe haben wollen. Ohne diese Leute würden wohl noch viel mehr alte Gemäuer verfallen und damit in Vergessenheit geraten.

Im Eichhörnchengrund

Wir halten uns nicht lange am Schloss auf und laufen in Richtung Eichhörnchengrund. Dabei kommen wir wieder an einem alten Gemäuer vorbei und zwar an einem Rittergut. Auch das ist zum Teil bewohnt und andere Teile scheinen schwer baufällig. Der Weg in den Eichhörnchengrund ist mit schönen Einfamilienhäusern gesäumt. Das Wetter ist angenehm mild, die Sonne scheint ab und zu durch eine hellgraue Wolkendecke. Es ist windstill und in den Bäumen scheinen Amseln für unsere Ankunft ein Frühlingskonzert zu zwitschern. Am Waldrand kommen wir an der Schulze-Mühle vorbei. Eine Miniaturausgabe der Lehmann-Mühle, die in kleinsten Details von Günther Schulze im Maßstab 1:5 in den Jahren 1968-1974 funktionsfähig nachgebaut wurde.

Nach dem Tod von Günther Schulze verfiel die Mühle und wurde erst im Jahre 2009 von Herrn Hebeld restauriert. Heute kann diese wieder besichtigt und besucht werden.

Im Wald plätschert der Gauernitzbach gemächlich vor sich hin. Zu dieser Jahreszeit sieht es im Groben ziemlich trist und kahl in den Wäldern Sachsens aus. Doch bei genauerem Hinsehen ist diese angeblich triste und graue Welt ziemlich bunt und lebendig. Pilze, Moose und Flechten sind zu jeder Jahreszeit anzutreffen. Vor allem dass Moos ist hier im Eichhörnchengrund auffällig an den Baumstümpfen der Bäume verteilt und lassen diese wie große Elefantenfüße aussehen. Auch Felsen ragen im Eichhörnchengrund an den Hängen heraus. Abgebrochene Felsstücke sind hier genauso mit Moos überwuchert wie abgestorbene Bäume. Ein typisch melancholischer Anblick im Winter.

Pegenau

Wir blieben weiter auf dem grünen Wanderweg bis Pegenau. Da wir aus dem Tal nun auf eine ordentliche Anhöhe kamen und ringsherum viele Felder waren, blies uns hier der Wind plötzlich ordentlich um die Ohren. Dadurch schien das frühlingshafte Wetter plötzlich zu kippen. Doch die schöne Landschaft entschädigte für die frische Brise.

Ein verschlafenes Örtchen schien Pegenau. Auffällig ist hier das große Rittergut und die alte Turmwindmühle, die zu einem Wohngebäude umfunktioniert wurde. Eine sehr schöne Anlage, die von der Straße von Pegenau nach Scharfenberg und umgekehrt das Landschaftsbild prägt. Lange verweilen wir nicht in Pegenau. Es ist immer noch sehr windig um die Nase. Erst als wir Scharfenberg erreichen, lässt der Wind nach.

Scharfenberg

Die Ortschaft Scharfenberg hieß bis vor 1920 noch Gruben und wurde in seiner Grundherrschaft von den Herren zu Schloss Scharfenberg geleitet. Der Name Gruben hängt hier mit dem einstigen Bergbau zusammen und ist der zweitälteste urkundlich belegte Silberbergbau in der Mark Meißen. Der Silberbergbau hat im Mittelalter der Gegend zu Wachstum und Wohlstand verholfen.

Noch heute erinnern vor allem Straßennamen an den Bergbau in Scharfenberg. Die alte Silberstraße, die Bergwerkstraße und der Schachtberg. Wer durch Scharfenberg wandert und seine Umgebung erkundet, wird auch die Landschaft schnell dem Bergbau zuordnen können. Steile Abhänge und Schluchten sind keine Seltenheit und auch der ein oder andere Stolleneingang ist noch erkennbar.


Schloss Scharfenberg

Wer vom Schachtberg aus den eher unbekannten Weg zum Schloss nimmt, also nicht die bequeme, asphaltierte Straße, dem werden die alten Bäume am Wegesrand auffallen. Es ist eine sehr romantische, urige Gegend, wo die Zeit ein wenig stehengeblieben scheint. Auch als ich das erste mal den Eingang vom Schloss und die dahinterliegende Gesamtanlage sah, fehlte eigentlich nur noch der Ritter, der auf seinem Pferd Richtung Schloss reitet.

Das große Eingangstor und auch das kleine Burgtor standen offen. Ich musste hier einen kleinen Blick hinein werfen, auch wenn die Anlage nicht frei zugänglich ist. Ein Blick über die alte Schlossmauer runter in den Schlossgarten offenbarte menschliche Anwesenheit. Auch ein silbergrauer Jagdhund mit großen Schlappohren, der perfekt ins Schlossbild passt, drehte dort seine Runden. Die menschliche Anwesenheit bewegte sich verdeckt von einer großen Holzplanke auf dem Rücken in meine Richtung.

Es war der Schlossherr höchstpersönlich. Ihr müsst wissen, ich habe vorher natürlich gegoogelt und mir die Seite vom Schloss genau angesehen. Daher wusste ich, wer da im Garten werkelt. Auch der Hund war mir von Fotos bekannt. Er war auch der erste, der mich bemerkte. Ein Schwanzwedeln mit gedrungener Haltung wies auf eine fröhliche Begrüßung hin, die dann auch stattfand. Der wuchtige Rüde lehnte seinen Körper seitlich gegen meine Beine und genoss sichtlich die Streicheleinheiten. Der Schlossherr selbst machte einen verhaltenen Eindruck. Ich frage trotzdem nach, ob ich einen Blick hinter die Schlossmauern werfen dürfe. Er willigte ein.

Was ich dann sah, übertraf all meine Erwartungen. Aus einer Ruine wurde das Schloss binnen zehn Jahren komplett restauriert. Eine Meisterleistung. Die alten Gemäuer wirken aber nicht neumodisch kitschig. Der Putz wurde hier und da weg gelassen, was einen Blick auf alte Ziegel und Gestein frei gibt und somit ein mittelalterliches Flair entsteht. Interessant sind auch die Bäume im Innenhof, die perfekt ins Bild passen. So muss ein Schloss aussehen, dachte ich und schoss in vielleicht fünf Minuten ein dutzend Fotos.

Auf dem Weg nach draußen bedankte ich mich kurz beim Schlossherrn, der in seiner Werkstatt Holz bearbeitete. Er war immer noch sehr verhalten und hatte wenig Interesse an meiner Person. Was ich nicht als schlimm empfand, da er seiner Arbeit nachging und ich bei meiner Arbeit, dem fotografieren, ebenfalls kaum ansprechbar bin. Was mir gar nicht gefällt, ist, dass das Schloss immer mehr von Bäumen umschlossen wird und dadurch gar kein Blick mehr zur Gesamtansicht gegeben ist, so wie es einst der Fall war.

Mit diesen Fotos vom Schloss Scharfenberg endet diese wunderbare Wander- und Fototour. Ich hoffe, euch hat der kleine virtuelle Ausflug gefallen. Vom Heimatmuseum Scharfenberg nahmen wir den Bus zurück nach Meißen und kamen mit vielen neuen Eindrücken wohlbehalten zu hause an.

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