Lost Place – Unberührte Orte

Die Lost Place Szene ist groß und sie wächst immer weiter. Die Faszination Verfall zieht immer mehr Menschen in ihren Bann. Es gibt hunderte Fotoseiten und mindestens genau so viele Youtuber, die immer wieder verlassene Orte in ihren Videos und Fotos vorstellen.

Besonders beliebt sind dabei Orte, die zwar verlassen, aber frei von Vandalismus sind. Wenn solche Orte dann im Internet gezeigt werden, kann der Betrachter manchmal gar nicht unterscheiden, ob der Ort nun wirklich verlassen ist, oder nicht.

Dann kommen Fragen auf. Wurde eingebrochen oder ist der Ort vielleicht gar nicht wirklich verlassen. Eine Garantie, dass es so etwas nicht gibt, kann niemand vergeben. Im Grunde muss ja fast zwangsläufig in jeden Verlassenen Ort eingebrochen werden, außer der Besitzer vergisst die Tür oder ein Fenster zu verschließen. Aber wie wahrscheinlich ist das schon?

Und meist ist es dann so, dass wenn der Einbrecher einmal am Werk war, kein Stein mehr auf den anderen steht. Wer in verlassene Orte einbricht, hat nämlich nicht den Sinn Fotos oder Filme zu machen, sondern um Wertgegenstände zu erbeuten. Dann wird alles durchwühlt, umgehauen oder aus Frust kaputt geschlagen, weil es nichts zu holen gab.

Nicht auszuschließen sind auch Missgunst und Neid, weshalb der ein oder andere verlassene Ort nach einer Fotosession kaputt geschlagen werden kann, damit es ja keine Nachfolgebilder gibt. Das will ich niemanden unterstellen, gibt es aber sicher auch.

Ich für meinen Teil finde ganz saubere und unberührte Orte ohne Anzeichen von Verfall eher langweilig. Der Verfall, also wenn Putz herunter bröckelt, Farbe abblättert und Schimmel und Moos gewisse Einrichtungsgegenstände befallen. Ich glaube, wenn ein Ort diese Merkmale aufweist, ist dem Besitzer eh alles egal.

Wenn die Einrichtung des Verlassenen Ortes eine andere Zeit widerspiegelt, ist das auch wieder etwas anderes. Hier kann man sich in eine andere Zeiten versetzen lassen. Aber zu aufgeräumt ist eben kein richtiger Lost Place.

Es gibt da draußen sogar Jäger, die alles als verlassene Orte ansehen und zum Teil einen Wettbewerb daraus machen. Ich muss der Schnellste und Erste sein, der hier drinnen ist und Fotos ins Internet stellt, koste es, was es wolle. Aber es gibt Unterschiede. Ein Ort, der geschlossen ist, ist nicht automatisch ein verlassener Ort. Eine geschlossene Einrichtung mit Wachschutz und funktionierendem Licht hat nichts mit einem Lost Place zu tun. Das ist Effekthascherei oder unter anderem Geltungsdrang.

Leider schadet dieses Vorgehen der Szene enorm. Ein Objekt mit Waschschutz hat nicht umsonst einen Wachschutz. Ich finde, dass gilt es zu respektieren. Der Besitzer gibt hier Geld aus, um sein Objekt zu schützen. Er hat damit etwas vor und somit ist dieses Objekt kein verlassener Ort und tabu. Ein Wachschutz kontrolliert auch, ob Fenster und Türen geschlossen sind. Wer hier Katz und Maus spielt und das fröhlich im Internet verkündet, hat irgendwie gar nichts verstanden.

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  1. Frauke sagt:

    Hallo Mario,
    Deine Beiträge gefallen mir ausgesprochen gut, tolle Orte zeigst Du hier, dazu auch gut geschrieben.
    Speziell dieser Artikel ist sehr treffend und auf den Punkt gebracht. Aus meiner Sicht ist due Urbex-Szene zu schnell gewachsen und (leider) inzwischen auch unter Jugendlichen populär geworden, für die- wie mir scheint- die Wichtigtuerei das Ziel ist, weniger das Erleben und Bewahren eines verlassenen Ortes. Traurige Entwicklung.
    Für Dich weiterhin viel Erfolg und Spaß,
    Viele Grüße, Frauke

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