Wölkisch: Der Gasthof Herr Gevatter nach dem Brand in Bildern

Blick aus dem ehemaligen “Roten Zimmer” in den Saal
Der Tanzsaal nach dem Brand im Gasthof Herr Gevater
Der Tanzsaal vor dem Brand im Gasthof Herr Gevatter

Nach dem Brand im Gasthof Herr Gevatter in Wölkisch ist die Anteilnahme und die Schreiblust der Medien groß. Verstehen kann ich hier Menschen, die uns aus Interesse an dem alten Gevatter besucht, Fotos gemacht oder persönliche wie allgemeine Verbindungen zum Gasthof haben.

Etwas schade finde ich, dass solche Gebäude immer erst in den Fokus rücken, wenn sie mit etwas Negativem in Verbindung stehen. Die Aufmerksamkeit hätte das Gebäude viel eher gebraucht, aber im positiven Sinne. Aber Flammen am Abendhimmel sind nun mal eine Schlagzeile wert, das vor sich hin gammeln eines Denkmals mit großem geschichtlichen Wert eher nicht. Da muss erst irgendwie ein negativer Anreiz her, damit mal darüber berichtet wird. Am besten noch in Verbindung mit persönlichem Versagen, Leid oder dem zerstören eines Lebenswerkes.

vorher/nacher – Bilder passen durch die Perspektive nicht ganz überein
Die schlimmsten Schäden enstanden im sogenannten “red room”. Für uns war es einer der beeindruckensten Räume auf unseren bisherigen Lost Place Touren

Natürlich verstehe ich, dass man darüber berichtet und auch Interesse an den Fotos während und nach dem Brand besteht, keine Frage. Aber muss das Leid denn immer erst am Ende seines Weges in den Fokus rücken und dokumentiert werden?

Warum thematisieren wir nur das Versagen von Paolo Dolzan? Nicole hat das treffend formuliert und wiedergegeben. Schau. Wir haben den Gevatter fast ein Jahr betreut. Wir haben Künstler, Fotografen und Musiker im Gevatter gehabt, die alle positiv gestimmt und fasziniert waren. Das alte Gebäude besaß ein weiteres Jahr eine positive Aura und wurde nicht Opfer von sinnlosem Vandalismus und Zerstörung.

Paolo Dolzan hat dasselbe und mehr getan. Er hat den Versuch gestartet, um etwas wertvolles zu erhalten und zum Teil auch wieder mit Leben eingehaucht. Wir hören immer nur, dass kostet zu viel Geld und es wäre nicht zu retten. Wir hören immer nur, dass das Gebäude seit 2014 leer stand und sich keiner drum gekümmert hat. Was völliger Unsinn ist. Dazu entstehen dann natürlich auch die Gerüchte um Versicherungsbetrug und heißem Abriss, obwohl das Gebäude nicht mal versichert war.


Und ja, da kann man dem Paolo Naivität vorwerfen. Aber auf keinem Fall kann man ihm vorwerfen, es nicht versucht zu haben, auch ohne viel Geld in der Tasche. Denn all die Kunst im Haus, die letzte Einrichtung, Gestaltung und auch Reparaturen wurden von ihm und seinen Künstlerkollegen geschaffen. Hätte das Gebäude seit 2014 komplett leer gestanden, hätte es hier sicher bisher nicht nur einmal gebrannt, wenn es denn überhaupt noch etwas zum brennen im Inneren gegeben hätte, weil der letzte Rest geklaut wurden wäre.

Die alte Stuckdecke vor dem Brand
Artwork – M.Gast 2019


Natürlich konnte Paolo nicht an das Lebenswerk von Familie Möbius anknüpfen. Das war vielleicht auch gar nicht sein ansinnen. Aber er hat dem Gebäude weitere Jahre Leben eingehaucht. Er hat auch seinen eigenen Stil als Künstler dort hinterlassen. Das gefiel bestimmt nicht jedem, aber es hat auch sehr viele Fotografen und Künstler inspiriert und begeistert. Das hat nur niemand wirklich mitbekommen.

Natürlich darf man dem Ganzen auch nicht blauäugig gegenüberstehen und muss alles toll finden. Träume sind oft Schäume. Aber wer so an Dinge herangeht, erlebt den Traum nicht mal im Ansatz. Rückschläge gehören zum Leben dazu und bereichern uns vielleicht auch an Erfahrung, die uns bei der nächsten Einschätzung von Situationen hilfreich zur Seite stehen. Ein Großbrand gehört hier natürlich nicht dazu. So etwas bereichert niemanden positiv, sondern immer negativ.

Ich möchte zum Ende kommen und noch erwähnen, bitte keine Anfragen zu stellen, ob noch Fotos im Gebäude gemacht werden können. Das ist völlig ausgeschlossen bei den Schäden, die während des Feuers entstanden sind. Lasst dem Gebäude seine letzte Ruhe. Mit viel Geld könnte der Gevatter natürlich wieder aufgebaut werden. Er wird aber niemals wieder der sein, der er einmal war.

Flur – 1. Etage im Gasthof Herr Gevatter

Fotos vom letzten Fotoshooting im Gasthof Herr Gevatter

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