Wer kann sich noch erinnern? Bevor der Aldi am Neumarkt erbaut wurde, standen dort lange die Häuser mit der Nr. 38-39 leer und fielen am Ende auch schon fast in sich zusammen.

An sich waren die Häuser nichts Besonderes. Die Architektur war schlicht und die Fassaden zierten ein melancholisches DDR-Grau. Bei meinen damaligen Fototouren durch Meißen fielen sie mir eben nur deshalb auf, weil sie leer standen. Durch einen Blick in den Hinterhof ergab sich dann der Zutritt, weil wie so oft alles sperrangelweit offen stand.

Entstanden sind die Fotos am 21.8.2016. Gefunden habe ich sie gestern im Archiv und ich stellte mir die Frage, wer hat dort eigentlich mal gewohnt? Und da die Frage öfter aufkommt wenn wir verlassene Orte besuchen, fielen mir doch die alten Adressbücher ein, in die ich vielleicht öfters schauen sollte.

Ein Blick in diese Adressbücher, die zwischen 1900 – 1950 datiert sind, fiel mir auf, dass in Nr. 38 viele Menschen wohnten, die in der Porzellanmanufaktur arbeiteten. Besonders in den Anfängen des 20. Jahrhunderts. So wohnten dort Porzellanmaler, Porzellandreher und Maleraufseher. Die Nähe zur Porzellanmanufaktur begünstigt das natürlich. Gegenüber befand sich die Amtshauptmannschaft Meißen

Die Nr. 39, aus dem die Bilder wahrscheinlich stammen (ich bin mir nicht mehr so sicher), war von den Bewohnern doch etwas gemischter. So wohnten dort einst Kauf u. Handelsmänner, aber natürlich auch Fabrikarbeiter und Eisendreher. Ein Name fiel mir aber besonders auf. (Adressbuch 1904) Otto Pilz.

Otto Pilz. Da wären wir wieder bei der Porzellanmanufaktur Meißen. Otto Pilz war zu seiner Zeit (* 30. April 1876 in Sonneberg; † 1. April 1934 in Dresden) ein herausragender Künstler, der viele berühmte Modelle für die Porzellanmanufaktur schuf.  So werden seine Tiermodelle wie die Affenkapelle bis heute hergestellt. Unter Sammlern sind die Tiermodelle von Otto Pilz sehr beliebt und werden teilweise hoch gehandelt.

Aber Otto Pilz hat nie in Meißen gewohnt. Er war scheinbar nur Besitzer dieses Hauses. Zumindest stand in den verschiedenen Adressbüchern zwischen 1900-1910 immer der Zusatz: Bes. Pilz, Otto mit wohnhaft in Dresden. In Dresden ist Otto Pilz auch 1934 nach langer schwerer Krankheit verstorben. Sein Grab befindet sich auf dem Trinitatisfriedhof in Dresden.

Nach dem Tod von Otto Pilz, ging das Haus am Neumarkt Nr. 39 in einen Hermann Pilz über. Dessen Wohnsitz wurde ebenso mit Dresden angegeben.

So, ihr Lieben. Ich hoffe, euch hat der kleine Ausflug gefallen. Natürlich kann ich nicht für die Richtigkeit der Angaben garantieren. Es sind nur Vermutungen aus Zusammenhängen. Am Ende waren diese Häuser doch nicht so uninteressant.

Zu den historischen Adressbüchern von Meißen geht es hier entlang: KLICK MICH

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1 Kommentar

  1. Hallo lieber Fotograf, auch ich habe vor Jahrzehnten dort gewohnt – im Neumarkt 38- von 1976 bis 1979. Es war meine/ unsere erste Wohnung oben unter dem Dach mit Erker. Sie war winzig für unsere kleine Familie…Vater, Mutter und unsere Tochter Kristin 8 Monate alt. Aber es war unsere Wohnung und das war schön was damals. In das Schlafzimmer passten ein Ehebett und ein Kinderbettchen…und nichts weiter. Das Fenster ging nach hinten Richtung Triebisch. Dann gab es noch unser Wohnzimmer mit Schrankwand auf Kredit, den es damals gab…ich fand sie immer schön.👍 Die Miniküche mit einem Waschbecken…Die Wäsche wurde hinten raus aus dem Fenster gehangen auf so ein kleines ausziehbares Gestell. Waschmaschine konnten wir uns nicht leisten, die war viel zu teuer. Sauber angezogen waren wir aber trotz allem😍. Toilette eine Treppe tiefer…und wenn die Nachbarn da grade waren, hatte man mal kurz Pech😢. Ich habe schöne Erinnerungen an dieses Haus/Platz. Mitten in der Stadt gelegen, dahinter ein Park und später der Kindergarten gleich um die Ecke. Vielen Dank für die Fotos. Seit 1990 lebe ich in der Pfalz, aber Meißen wird immer meine Heimat bleiben an die ich stets mit glücklichen Erinnerungen zurückdenke. Alles Liebe für weitere Projekte sendet Karin Richter

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