Lost Place – Ist dieser Ort verlassen oder doch bewohnt?

Für ein Lost Place doch sehr aufgeräumt

Eigentlich wollte ich erst bildlich über die verlassene Siedlung als nächsten verlassenen Ort berichten. Aber mir lässt dieser Lost Place hier irgendwie keine Ruhe. Ein altes Wirtschaftsgebäude eines Rittergutes irgendwo in Nordsachsen wurde von uns angesteuert, weil der Blick von oben aus Google-Maps uns interessant erschien.

Wir wussten als nicht, was uns erwartet und oft sind solche Objekte entweder verlassen aber deutlich in Besitz eines nicht verlassenen Grundstücks, bewohnt, komplett verfallen oder halt deutlich verlassen und gar nichts deutet noch auf irgendwelche Besitzer hin. Hier bei diesem Objekt traf das Verlassensein und die Abgrenzung von bewohnten Grundstücken deutlich zu. Es gab keinen Zaun, keinen Briefkasten und das Gebäude an sich machte nun absolut keinen bewohnbaren Eindruck. Aber…..

….irgendetwas war merkwürdig an diesem Gebäude und dem Grundstück allgemein. Denn ging man einmal um das Gebäude herum, dann fällt einem auf, dass alle Fenster erneuert und in der unteren Etage alle Jalousien herunter gelassen wurden. In der oberen Etage waren teilweise Gardinen zu sehen und im Gartenteil stand ein Wohnwagen, welcher von seinem äußeren Erscheinungsbild bewohnbar hätte sein können.

Ein Blick in das Innere des Wohnwagen ergab aber schnell Klarheit. Die Türe stand weit offen und im Inneren war außer ein verrosteter Akkuschrauber nicht viel zu sehen. Der Wohnwagen hatte also lange ausgedient. Neben dem Wohnwagen stand eine Hollywoodschaukel. Wieso heißt das überhaupt Hollywoodschaukel? Egal. Im Sommer könnte es hier richtig gemütlich sein. Auf der Hoolywoodschaukel sitzend und davor ein Lagerfeuer bei Bratwurst und Bier. Um unsere Frauen nicht zu vergessen, gibt es wahlweise Salat und Hugo.

idyllisch….

Aber so richtig ins Schwärmen kommen wir hier nicht. An der Haustüre angekommen, ergibt sich uns ein merkwürdiges Bild. Ein große massive Tür wurde hier verbaut, die weder nach wenig Geld aussah, noch irgendwie jemanden einfach so einbrechen lassen könnte. Man könnte also sagen, dass Gebäude ist ordentlich gesichert, wäre da nicht eine billige 08/15 Türe neben der Großen massiven, die auch noch sperrangelweit offen steht.

Natürlich schauen wir vorsichtig hinein. Und meine erste Reaktion war, die sonst noch niemals vorher einfach so aus mir heraus rutschte, wenn wir in einen Lost Place gingen: „Hallo, ist hier jemand?“. Alles war ruhig, bis auf ein leises Brummen. Der erste Blick in das Gebäude zeigte uns eine kleine sporadisch eingerichtete Werkstatt. Ebenso waren hier viele Baumaterialien gelagert. Es glich eher einer Baustelle. Durch die heruntergelassenen Jalousien war es sehr dunkel. Das Brummen erweckte dann den Eindruck, als hätten die Leitungen noch Strom. Und genau so war es dann auch. Ein Drücken des Lichtschalters erhellte den dunklen Raum und wir kehrten vorerst um.

Das war uns nicht geheuer. Wo Licht brennt, dort dürfte der Bewohner eigentlich nicht weit sein. Aber die Tür steht offen und ein Rufen hat auch kein Widerruf ergeben. Vielleicht ist er ja in der oberen Etage und schläft. Aber mit offener Tür? Hoffentlich geht es ihm gut, falls überhaupt jemand da ist.

Die Neugier ist größer als die Angst, auch wenn das wirklich in die Hosen hätte gehen können. Trotzdem. Wir mussten jetzt wissen, was dort in der oberen Etage los ist. Ich fasste mir noch etwas Mut und dann ging es los. Die Damen blieben unten stehen. Ich ging leise Schritt um Schritt das Treppenhaus hinauf. Oben angekommen ergab sich erst ein erleichterndes Bild. Hier fehlte teilweise komplett der Boden. Einen kleinen Brandherd schien es im großen Flur auch gegeben zu haben, denn die Wände waren teilweise schwarz verrußt.

Ein Blick nach rechts ließ mich dann wieder unter Anspannung geraten. Durch eine halb offene Türe sah ich einen halben Tisch und zwei Stühle stehen. Also so als Ausschnitt.Auf dem einen Stuhl hing eine Art Jogginghose (R.I.P Karl Lagerfeld) und andere Klamotten. Über den anderen Stuhl hing eine Jacke. Hier wurde mir richtig mulmig. Der erste Gedanke war hier, dort gibt es noch ein Bett und da liegt einer drin.

Ich ging über massive ausgelegte Holzbohlen auf das Zimmer zu. Hier sah ich schon den verdreckten Fußboden und einen offen stehenden alten Spülschrank. Das sah nun wieder so aus, wie wir es aus verlassenen Orten kennen. Ich machte leise die Türe auf und schaute zuerst in den Bereich des Raumes, den ich durch die halb verschlossene Türe nicht sehen konnte. Und oh Schreck, hier steht wirklich ein Bett! Aber eben auch nur provisorisch. Und es liegt zum Glück keiner drin, auch wenn es auf dem Foto so aussehen könnte.

Nach dem recht unordentlichen Bett springt mir sofort ein schönes Bild ins Auge, welches neben der Uhr an einer kahlen und unsanierten Wand hängt. Eine Frau ist darauf zu sehen. Jung, hübsch und in ein barockes Kleid mit tiefem Ausschnitt gehüllt. Nun gut, Bilder an der Wand sind ja nicht so außergewöhnlich. Doch irgendetwas ist anders. Es scheint, als würde diese Dame mich verfolgen. Als würde sich ihr Kopf in meine Richtung neigen. Ich gehe etwas näher an das Bild heran und sehe der Dame tief in die Augen…..

Wir machen das anders. Ich zeige Euch ein Fotos und ihr seht der Dame selbst tief in die Augen!


Ok, ok. Lassen wir das 😉

Nach genauem Begutachten des Raumes wird klar, dass hier niemand mehr wohnt. Die Klamotten sind modrig und auf dem Fußboden liegen endlos viele Tierexkremente. Das Zimmer wurde augenscheinlich von jemanden durchwühlt, der sicher einst auch die Türe aufgebrochen hat. Ein Kalender zeigt das Datum 2007. Auffallend ist, dass alles in dem Zimmer vorhanden ist, was der Mensch so brauch. Ein Herd mit Töpfen, ein Ofen, eine Brotschneidemaschine, eine Kaffeemaschine, ein Spülschrank, ein Waschbecken und natürlich das Bett. Nur das Klo war außerhalb, aber durch den kaputten Fußboden eher beschwerlich zu erreichen

Ganz eindeutig kann ich es natürlich nicht sagen. Aber hier hat mal jemand sein Glück probiert und wollte sich ein Heim schaffen. Das eine Zimmer sollte wohl in der Zeit des Aufbaus alles abdecken. So wie es aussieht, kam wohl etwas dazwischen.

So, ihr Lieben. Ich hoffe, Euch hat es ein klein wenig gefallen 🙂

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