Gruselgeschichten vom Luminohof

Der Himmel ist grau und das Land pitschnass geregnet. Dicke Regentropfen hängen an dem alten Walnussbaum, den ich von meinem Schreibtisch aus durchs Fenster sehen kann. Ich sitze hier in einem langen Flur. Der Fußboden besteht aus alten Holzdielen und schönen alten Holztüren, die wunderschöne Scharniere und Klinken zieren. Wenn man sich im Schlafzimmer oder auf der Toilette befindet, und die kleine Katze Lilly über diesen Flur tapst, dann nimmt man jeden Schritt genau wahr. Nicht wirklich laut, aber die Samptpfote ist sanft zu hören.

Am Ende des langen Flures, ich sitze genau mit dem Rücken dazu, befindet sich eine kleine Abstellkammer. Es könnte auch eine alte Speisekammer sein, wo früher die Schinken und Würste von der Decke hingen. Jetzt stehen dort aber Utensilien wie Besen und Staubsauger drin.

Aufmerksam wurde ich aber nicht auf diese Kammer weil ich staubsaugen oder kehren wollte. Es traten dumpfe Geräusche aus dieser Kammer. Eben solche Geräusche, als wenn Katze Lilly durch den Flur stapft. Lilly kann es aber nicht sein. Sie liegt lang ausgestreckt auf der Heizung und schläft.

Ob ich nachsehen soll? Die Neugier ist größer als die Angst. Das Öffnen der Kammertür ist trotzdem beschwerlich. Aber wie zu erwarten, verbirgt sich dahinter nichts weiter außer die besagten Reinungsutensilien. Aber da sind sie wieder. Diese leisen Schritte machen mich noch wahnsinnig. Auf einmal knallt es laut hinter mir. Jetzt ist Lilly von der Heizung gefallen. Das arme Tier. Schon vorhin hing ihr Kopf weit über und neigte sich im Schlaf immer weiter nach unten. Das konnte nicht lange gut gehen. Sie schaut verdutzt und verschlafen zu mir und stößt ein lautes Miau von sich. Ihr geht es aber gut und legt sich wieder auf die warme Heizung.

Nach dem kurzen Schreck ist wieder dieses Geräusch zu vernehmen. Jetzt klingt es wie ein Kinderlachen. Das kommt nicht aus der Besenkammer, sondern von weiter hinten. Und beim genaueren Hinsehen, entdecke ich eine weitere Tür, die in einen weiteren Flur führt. Was ist das denn und wie sieht es hier überhaupt aus? Es ist eisig kalt und auf dem Fußboden liegen alte Kinderspielsachen. In der Küche stehen frische Tulpen und eine brennende Kerze auf dem Tisch. Wohnt hier etwas jemand?

Und wieder eine Schrecksekunde. Zu dem Kinderlachen gesellt sich ein eisiger Windhauch. Als würde jemand ganz schnell an dir vorbei huschen und der dadurch entstehende Luftzug macht sich kalt auf deiner Haut bemerkbar.

Jetzt wird es langsam unheimlich. Ich mache ein paar Fotos. Während die Kamera belichtet, verändern sich plötzlich die Wände. Es entstehen wie von Geisterhand große Risse und schwarze Flecken an den Wänden. Das Kinderlachen verstummt. Die Kerze und die Tulpen fliegen ebenfalls wie von Geisterhand von der Wohnküche in den Flur, aber niemand ist zu erkennen. Was passiert hier nur? Das Radio geht an, welches auf dem Küchentisch steht. Es spielt alte, klassische Musik. Wieder ein Kinderlachen. Dann ein dumpfer Schlag, als würde jemand mit einem Stock auf die alten Dielen schlagen.

Das ist mir nun wirklich alles zu viel. Ich habe meine Fotos im Kasten und ich gehe zurück durch die Besenkammer in unsere Wohnung. Als ich den langen Flur betrete, sehe ich als erstes Lilly und wie sich ihr Kopf und Oberkörper schon wieder Richtung Fußboden neigen. Ich rufe laut: „Lilly, Vorsicht!“. Sie schreckt auf und schaut mich mit großen Augen an. Ihre Pfote, die ebenfalls in der Luft hängt, sucht vergebens nach Halt. Plumps, da lag sie wieder unten.

Gespannt auf die Fotos, setze ich mich an meinen PC. Zum erstaunen muss ich feststellen, dass auf den Fotos weder Kinderspielzeug, noch Tulpen und Kerzen zu sehen sind. Auch keine Risse und Flecken sind an den Wänden zu sehen. Nur ganz normale Zimmer ohne irgendeiner Besonderheit sind zu erkennen. Ich zeige euch die Fotos trotzdem. Vielleicht erkennt ihr ja etwas ungewöhnliches.

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