Man muss es ja zugeben. Die Bilder von den vereisten Ostseeküsten, und gerade vom vereisten Leuchtturm in Sassnitz auf Rügen, sehen schon toll aus. Ich kann auch verstehen, dass Menschen sich spontan dafür entscheiden, an die Ostsee zu fahren und sich das Spektakel mit eigenen Augen ansehen zu wollen.
Wir selbst hatten wirklich kurz den Gedanken, ebenfalls hinzufahren, haben das dann aber verworfen. Das Netz quillt über von Fotos und Berichten. Menschenmassen drängen sich im Sekundentakt um den Leuchtturm, um ein Foto von sich und dem Turm zu machen.
Irgendwie zerstört mir das den Flair von dem Naturbeispiel. Das Herumturnen um den Leuchtturm für einen kleinen Moment, ohne Stille und Gelegenheit, es auf sich wirken zu lassen. Das wirkt wie ein Abfertigen eines eigentlich schönen Ereignisses. Am Ende nur für die sozialen Medien, wo das Foto auch meist sehr schnell unter geht. Das Bild verschwindet auf dem Handy unter tausend anderen und verliert fast sofort seinen Wert.
Das soll natürlich nur meinen Blick von außen auf das Thema werfen. Dennoch erlebt man so etwas ja eigentlich öfter. Menschen drängen in Spaßparks, bezahlen jede Menge Eintritt, stehen Stunden an Fahrgeschäften und freuen sich dann, dass sie unter Menschenmassen, Hektik und Hitze mit einem schlechten Preis/Leistung Verhältnis einen schönen Tag hatten. Das gilt ebenso für Zoos, Einkaufsmärkten und vielen anderen Dingen.
In den sozialen Medien ist das zum Teil noch schlimmer. Die sogenannten Hotspots der Influenzer-Szene werden überrannt und abgewickelt wie illegale Straßengeschäfte. Diese Inszenierung im Selfie-Modus kann einem schon mal einen Würgereiz bescheren, weil daran überhaupt nichts real ist und auch gar kein Interesse für den Ort im Vordergrund steht. Hin und weg, wir haben noch viel vor uns.
Ich möchte das alles nicht auf jeden Besucher übertragen und bin sofort dabei, wenn man sich ein Zimmer bucht und alles in Ruhe angeht. Oder wenn man halt nicht weit weg wohnt. Aber zum Teil ließt man schon Dinge, wo ich mir sage, ok, das ist merkwürdig. 7 Stunden hin und 7 Stunden zurück ohne Übernachtung. Da weiß man, wo die Prioritäten liegen. Wenn man dann wenigstens dort übernachtet und den Einheimischen etwas da lässt.
Am besten wäre es, man stellt jemanden hin, der paar Euro Eintritt kassiert. Das wäre doch was. Der Eintritt zum Leuchtturmgelände und Strand kostet pro Person 3 Euro und der Erlös geht an eine soziale Einrichtung oder ein Tierheim.
Meinung: Sturm auf den vereisten Leuchtturm in Sassnitz